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Letzte Änderung
12.04.2011
Horsility > Bericht > Reiten ohne Sattel

Gönne Dir das Vergnügen - aber denk auch an Dein Pferd beim:
Reiten ohne Sattel

Derzeit scheinen immer mehr Reiter (und sogar viele Reitanfänger) auf die Idee zu kommen, die Reiterei doch auch einmal ohne Sattel auszuprobieren. Die Gründe dafür dürften ziemlich unterschiedlichster Art sein. Manche träumen vielleicht davon, möglicherweise im Hinblick auf den „zurück zur Natur-Trend“, auf bloßem Pferderücken „wie ein Indianer“ durch die Gegend zu reiten und andere werden bei diversen Reitveranstaltungen oder Messen von Vorführungen beeindruckt, wenn sich Pferd und Reiter in vollkommener Harmonie ohne jedes Hilfsmittel präsentieren.

Vergessen wird aber offensichtlich, dass Naturvölker über Generationen mit ihren Pferden gelebt haben und mit ihnen aufgewachsen sind und dass jene Leute, die bei Vorführungen ihr Können zeigen, reichlich Zeit, Mühe und Geduld und vor allem Lernbereitschaft, was das Wissen um Pferde angeht, aufgebracht haben, um sich und ihre Pferde so vorstellen zu können.

Grundsätzlich halte ich die Idee ohne Sattel reiten zu wollen durchaus für begrüßenswert. Schließlich sind physische Fitness, Gleichgewicht und Gefühl die wichtigsten Voraussetzungen, um sich im Einklang mit dem Pferd bewegen zu können. Einer der wirkungsvollsten Wege, alle drei Fähigkeiten gleichzeitig zu verbessern führt über das Reiten ohne Sattel.

Jeder Sattel, und ganz besonders der bequeme Westernsattel, bringt zwar die erwünschte Sicherheit, kann aber für die Entwicklung eines unabhängigen Sitzes viele Nachteile bringen. Es ist zu leicht, sich in die Steigbügel zu stemmen, sich gegen Cantle oder Fork zu lehnen oder sich am Horn festzuhalten. Wirkliche Balance zu entwickeln ist fast gar nicht nötig. Ohne Sattel ist der Reiter jedoch gezwungen, sich rhythmisch an die Bewegungen seines Pferdes anzupassen.

Die Vorbereitung zur Durchführung dieses Vorhabens sollte aus Sicherheitsgründen gut durchdacht und vernünftig geplant werden. Und zwar sowohl die Vorbereitung des Reiters wie auch die Vorbereitung des Pferdes auf diese neue Situation. Einen ungeübten Reiter auf den bloßen Rücken eines Pferdes zu setzen, das bisher ausschließlich mit Sattel oder überhaupt noch nicht geritten worden ist, halte ich schlichtweg für fahrlässig.

Dem ungeübten, nicht im Gleichgewicht sitzenden Reiter, ist es nicht möglich harmonisch mit dem Pferderücken mitzuschwingen. Er verliert durch unerwartete Bewegungen des Pferdes leicht sein Gleichgewicht. Als Folge davon wird er versuchen, sich mit den Beinen festzuklammern, was seinen Sitz noch steifer und instabiler werden lässt, und das Pferd noch mehr irritieren wird. Leicht möglich, dass so manches Pferd versuchen wird, sich dieser unguten Last auf seinem Rücken zu entledigen. Diese Versuche kommen wiederum einem stabileren Sitz des Reiters auch nicht gerade entgegen und ein nicht besonders glückliche Ausgang dieses Kreislaufes ist abzusehen.

Um solche Situationen zu vermeiden, bereite ich zunächst das Pferd auf seine neue Aufgabe vor, am besten vorerst in einem Round Pen oder auf einem anderen nicht zu großen, eingezäunten Reitplatz. Je nach Bedarf empfiehlt sich die Mithilfe einer zweiten pferdeerfahrenen Person.

Der Helfer hat einerseits die Aufgabe, dem Reiter beim Aufsteigen behilflich zu sein und andererseits, das Pferd zu kontrollieren und zu führen. Damit das Aufsteigen auf das ungesattelte Pferd in weiterer Folge auch ohne fremde Hilfe möglich wird, bringe ich ihm bei, seinen Reiter von irgendeiner Aufsteighilfe aus (Zaun, Tonne, oder ähnliches) aufsteigen zu lassen.

Es muss sich erst daran gewöhnen parallel, knapp neben einer Begrenzung ruhig stehen zu bleiben und außerdem eine darauf stehende Person zu akzeptieren. Durch entsprechende Vorbereitung vom Boden aus kann man dem Pferd auch beibringen nach Aufforderung seitlich auf einen zuzukommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann soll es lernen, eine quer über seinem Rücken liegende Person zu akzeptieren. Bleibt es dabei ruhig und lässt sich vom Helfer gelassen und entspannt herumführen, kann sich der Reiter aufsetzen. Das Pferd sollte auch zulassen, dass sich der Reiter auf seinem bloßen Rücken ungewöhnlich bewegt, indem er sich zum Beispiel vor- oder zurücklegt, seitlich sitzt oder sich auch ganz herumdreht.

Sobald sich das Pferd an diese neuen Eindrücke gewöhnt hat, kann es der Reiter auch ohne Führhilfe vorerst im Schritt und dann auch in den anderen Gangarten bewegen. Erst wenn sich das Pferd auch ohne Begleitperson in allen Gangarten genauso zuverlässig verhält, wie unter dem Sattel, sollte es als Lehrpferd für den ungeübten Reiter eingesetzt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Zäumung haben sich Schnurhalfter mit zum Zügel geknotetem Führseil (für den Reiter) und zweites Führseil (für den Helfer) bewährt. So wird das Pferd bei eventuell unkontrollierten Bewegungen der Reiterhände im Maul nicht gestört und der Helfer kann es vom Boden aus kontrollieren. Sobald sich Pferd und Reiter in jeder Gangart sicher und entspannt fühlen und auch unerwartete Bewegungen des Pferdes den Reiter nicht mehr aus dem Gleichgewicht bringen, kann auch auf jede andere Zäumung umgestiegen werden.

Vom Reiter erwarte ich, dass er sich mit Sattel in den 3 Grundgangarten sicher fühlt. Dann wird geübt, ohne Steigbügel zu reiten. Seine Hände sollte er soweit unter Kontrolle haben, dass er die Zügel nicht als „Haltegriffe“ benützen möchte. Einhändiges reiten fördert die Fähigkeit, die Hände unabhängig voneinander zu bewegen und verhindert den Reflex, bei Unsicherheit an beiden Zügeln zu ziehen. Klappen diese Vorübungen kann er versuchen, ein Pferd, das bereits daran gewöhnt ist ohne Sattel geritten zu werden, mit Reit-Pad zu reiten. Ich verwende diese Pads um zumindest eine minimale Dämpfung zwischen Reiter und Pferderücken sicherzustellen. Sie haben eine Filzunterlage, Rauhledersitz und eine stoßdämpfende Mittelschicht. So sorgen sie einerseits für einen stabileren Sitz und andererseits für eine etwas bessere Gewichtsverteilung.

Pads made by Willi Stiel

Pads mit Steigbügeln lasse ich aus Sicherheitsgründen nicht verwenden. Ein balancierter Reiter braucht sie sowieso nicht. Er könnte genauso gut auch mit einem normalen Sattelpad, das nicht einmal gegurtet sein muss, reiten. Für den noch nicht so sicheren Reiter bilden sie eine zusätzliche Gefahr. Sobald er aus dem Gleichgewicht kommt und sich auf die Stütze in einem Steigbügel verlässt, wird er das Pad auf dem Pferderücken verschieben und kann sich somit gar nicht mehr auf dem Pferd halten. Möglicherweise ergibt sich dann noch das Problem, beim ungewollten Abstieg nicht rechtzeitig aus den Steigbügeln heraus zu kommen.

Qualitativ hochwertige Reit-Pads findet man im entsprechenden Fachhandel Besonders hinweisen möchte ich auf die Tatsache, dass das Reiten ohne Sattel hauptsächlich der Schulung der reiterlichen Fähigkeiten dienen sollte und nur zweitrangig unserem eigenen Vergnügen. Denn vom Pferd aus gesehen, sieht die ganze Sache etwas anders aus. Nicht umsonst wurden und werden von uns Menschen seit Jahrtausenden die unterschiedlichsten Auflagen und Aufbauten entwickelt, die es dem Pferd ermöglichen sollen, mit dem Gewicht und den Bewegungen eines Reiters auch bei langen Ritten zurechtzukommen ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen. Es fällt nicht schwer sich vorzustellen, was ein Pferd, das ohne Sattel geritten wird, empfindet, wenn sich zwei (oft auch noch ziemlich ungepolsterte) Sitzknochen links und rechts seiner Wirbelsäule in den Rücken bohren und dort einen Druck von unzähligen kg auf ein paar Quadratzentimetern ausüben. Für längere Ritte sind auch die erwähnten Reit-Pads nicht geeignet. Die verhältnismäßig geringe Auflagefläche und ungleiche Verteilung des Reitergewichtes, die ein Pad bietet sind mit denen eines gut passenden Sattels nicht zu vergleichen. Eine längerfristige Belastung des Pferderückens auf diesen relativ kleinen Druckpunkten würde den Pferdrücken empfindlich beeinträchtigen. Das Pferd könnte bei längerer Beanspruchung dieser Art mit Verspannungen, Einseitigkeit und sogar Lahmheiten reagieren.

Und trotzdem - ich hoffe, die Pferde können es ertragen und uns verzeihen – vielleicht dürfen wir es uns zumindest 1 Stunde pro Woche gönnen, das unglaublich gute Gefühl mit seinem Pferd auch ohne Sattel unterwegs zu sein.

 


Ingrid Stiel
Taborstr.5
A-3012 Wolfsgraben
e-mail: Stiel@aon.at
Mobil: 0664/4709613