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Letzte Änderung
12.04.2011
Leonberger > Bericht > Aus d. Sicht des Hobbyzüchters

 

Ein Artikel aus „Hallo Leo“ 1996. Die angegebenen Kosten in ÖS sind naturgemäß etwas veraltet und wurden inzwischen leider um einiges angehoben.

Ja, wir wünschen uns einen Leo-Wurf!
Hundezucht aus der Sicht des Hobbyzüchters


Anlaß für diesen Bericht ist eine freundschaftliche Diskussion zwischen einem Deckrüdenbesitzer und einem Hündinnenbesitzer zum Thema: ist die in Österreich für ÖCLH-Mitglieder empfohlene Decktaxe von ÖS 500,- pro aufgezogenem Welpen für beide Partner akzeptabel? Schafft sich der Hundezüchter bei den heutigen Welpenpreisen nicht ein enormes, unverdientes Zusatzeinkommen und der Rüdenbesitzer kommt zu kurz?

Schon als wir uns entschließen, daß unser nächster Hund ein Leonberger sein soll, steht für uns fest, wir würden gerne einmal eine ganze Welpenschar dieser Rasse aufziehen. (Ein Wurf von 10 Collies hat uns vor 13 Jahren sehr viel Freude gemacht). Also wird mit Hilfe des ÖCLH eine Hündin gesucht, die, soferne sie sich entsprechend entwickelt, zum Zuchteinsatz kommen soll. Glücklicherweise müssen wir nicht lange warten und unser Zuchtwart vermittelt einen Welpen aus der Schweiz (in Österreich gibt es zu diesem Zeitpunkt keine Würfe). Die Hündin entwickelt sich prächtig, erhält die gewünschten Ausstellungsergebnisse, die HD-Beurteilung ist in Ordnung, also steht der Planung, endlich zu einem Leo-Wurf zu kommen nichts mehr im Wege.
Nun ist es an der Zeit, sich um einen passenden Rüden umzusehen. Da unsere Hündin aus dem ÖCLH-Hochzuchtprogramm stammt, soll ein Rüde einer fremden Linie eingesetzt werden. Aus den erhaltenen Vorschlägen fällt schließlich die Wahl auf einen Rüden aus dem ehemaligen Osten Deutschlands, in Halle an der Saale. Damit die Reise nach Halle (immerhin ca. 1000 km/Strecke) so erfolgversprechend wie möglich werden soll, lassen wir die Hündin nach Beginn der Läufigkeit in der Vet. Med. Uni in Wien auf Keimfreiheit untersuchen und eine Decktagbestimmung durchführen (insgesamt 4 Termine beim Arzt, Fahrzeit jeweils 2 Stunden, Kosten im preisgünstigen "Komplettpaket" ÖS 1200,-).
Der Aufwand hat sich gelohnt, wir fahren zum entsprechenden Termin nach Halle, verbringen dort 2 Tage, die Hunde verstehen sich prächtig, alles klappt prompt. Wir werden von den Rüdenbesitzern sehr kameradschaftlich aufgenommen, veköstigt, und können mangels einer anderen Möglichkeit sogar im Haus übernachten, wofür wir uns auch auf diesem Wege noch einmal recht herzlich bedanken möchten!
Wieder daheim steht nach 2 weiteren Untersuchungen fest: "Hurra, unsere Hündin ist trächtig!"

Nach 9 Wochen, in denen die Hündin manchmal von Heißhunger geplagt Unmengen frißt, dann wieder wegen Appetitmangels mit sonst nicht üblichen Spezialitäten verwöhnt, ständig beobachtet und gehetschelt, eine passende Wurfkiste gebaut, im Wohnzimmer aufgestellt und die werdende Mutter daran gewöhnt wird, dürfen wir uns über den Wurf von 10 prächtigen Welpen freuen. Einer der Welpen stirbt leider in der ersten Nacht. Er wird ins Institut für Virus/Seuchenbekämpfung in Mödling zur Untersuchung gebracht, um festzustellen, ob eine Gefährdung für die anderen neun Welpen besteht. Glücklicherweise steht nach der Untersuchung fest, daß dies nicht der Fall ist (Kosten ÖS 680,-). Am Tag nach dem Wurf wird die Hündin mitsamt ihren Welpen wieder dem Tierarzt gezeigt, erhält eine sogenannte "Reinigungsspritze", die Welpen werden untersucht, vorhandene Wolfsklauen entfernt (Kosten ÖS 900,-)
Die Welpen wiegen bei der Geburt ca. 500 g, 12 Wochen später, wenn sie ihren neuen Besitzern übergeben werden bringen sie fast stolze 20kg auf die Waage. Die ersten 2-3 Wochen werden sie von der Hündin versorgt, die zu dieser Zeit die fast 4-fache Menge ihrer normalen Futterration braucht - immerhin produziert sie täglich an die 3-4l Milch. Die Welpen werden täglich gewogen, sie nehmen durchschnittlich 50 - 100 g zu. Die Wurfkiste dient als Wochenbett und wird mehrmals täglich gereinigt, die Tücher gewechselt. Sobald die Welpen Zusatzfutter erhalten, werden die Verdauungsprodukte nicht mehr durch die Mutterhündin entsorgt - wer füttert, der säubert!
Mit ca. 3-4 Wochen übersiedeln unsere Welpen in einen für sie adaptierten Raum, mit direktem Ausgang in den Garten. Sie freuen sich über die Möglichkeit zum austoben und spielen (sind bald nur noch mit Nachdruck dazu zu bewegen, wenigstens die Nächte im Haus zu verbringen) und stürzen sich bereits über die angebotenen "festen" Mahlzeiten. Sie werden 5x täglich gefüttert - der Höchstverbrauch an Futtermenge für die ganze Schar inklusive Mutter steigt im Laufe der Wochen auf ca. 10 kg/Tag. (Nicht zu vergessen: Vitaminmischungen, Hundeflocken, Kalbsknochen, u.v.m.)
Die Welpen werden 2x entwurmt (ÖS 700,--) und 2x geimpft (entsprechend der Empfehlung des ÖCLH, beruhend auf einer Untersuchung der Vet. Med. Wien) - Kosten: ÖS 4.600,-. An sonstigen Arztkosten (z.B. Augenentzündung, etc.) sind zusätzliche ÖS 2.000,- angefallen. (Unser zuständiger Tierarzt kommt uns mit seinem Honorar dankenswerterweise sehr entgegen, bei vielen anderen Ärzten ist mit weitaus höheren Ausgaben zu rechnen).
Wir kaufen Halsbänder, üben an der Leine gehen, nehmen die Kleinen auch abwechselnd im Auto mit - schließlich soll die Abholung durch die neuen Besitzer so problemlos wie möglich verlaufen - und verbringen jede freie Minute mit Spielen und Beschäftigen mit den Hundekindern - weil es ganz einfach schön ist!
In der Zwischenzeit werden Kontakte mit den zukünftigen Welpenkäufern geknüpft und gefestigt. Besprechungen (Preis, Erklärung HD-Kaution, etc.), Telefonate, Besuche, Full-House besonders an den Wochenenden - schließlich sind wir froh, wenn die neuen Hundebesitzer sich für ihren Kleinen interessieren und auch schon vor dem Tag X ihr Hundekind kennenlernen möchten. In der 11. Woche werden die Welpen vom Zuchtwart beurteilt und tätowiert und schließlich, nach 12 Wochen "Welpen intensiv" kommt der Abholtermin: Nach der Bürokratie (Kaufvertrag, HD-Kaution) letzte Hinweise zur Behandlungen "unseres Welpen" (schriftliche Empfehlungen sind vorbereitet und werden übergeben - hoffentlich liest sie auch jemand!) ein paar Fotos von Hündin, Rüden und Hundekind in den ersten Lebenswochen werden mitgegeben. Strahlende Gesichter bei den neuen Besitzern - ein Abschiedsfoto - ein lachendes, ein weinendes Auge unsererseits!
Nach einiger Zeit folgt die Rechnung für die Eintragung ins ÖHZB, sowie Wurfabnahme und Tätowierung über ÖS 5.800,-, die Ahnentafeln werden verschickt, Welpenbesitzer an Impftermine, Nachzuchtkontrollen, Ausstellungen, HD-Röntgen, etc. erinnert und vor allem freuen wir uns immer wieder, wenn wir hören, wie es so geht, mit den heranwachsenden Leos und natürlich auch später mit den Erwachsenen.
Eine zusätzliche Aufgabe des Züchters ergibt sich, wenn die neuen Besitzer mit dem Welpen oder auch später mit dem erwachsenen Hund aus irgendwelchen Gründen (möglicherweise auch durch Veränderung der Lebensumstände in der Familie) nicht zurechtkommen oder ihn sogar überhaupt nicht mehr wollen. Sie melden sich hoffentlich/sicherlich beim Züchter - und das sollen sie auch! Und oft ist es wirklich nicht leicht, eine im Sinne des Hundes passende Hilfestellung zu leisten. Kein Mensch käme auf die Idee, sich bei Problemen an den Rüdenbesitzer zu wenden.
Ach ja, die Decktaxe betrug in diesem Fall DM 200,- + DM 50,- pro aufgezogenem Welpen.
Im Normalfall beschränkt sich der Einsatz des Rüdenbesitzers auf einen Zeitaufwand von 2-3 Stunden! Ist dieser nicht auch ganz gut honoriert?
Wir möchten hier keineswegs das Klagelied der Hundezüchter singen, sondern lediglich darauf aufmerksam machen, wieviel Zeit, Mühe und natürlich auch Geld mit dem Aufziehen eines Wurfes verbunden sind (nicht zu vergessen, den Aufwand, wenn man weite Fahrten zu einem Deckrüden in Kauf nimmt und die Hündin dann vielleicht doch leer bleibt!! oder, wenn die Hündin nur zwei oder drei Welpen zur Welt bringt - der Aufwand für die Aufzucht bleibt der selbe) - und doch: für uns ist es eine großartige Sache, das Heranwachsen einer ganzen Welpenschar mitzuerleben und wir wünschen uns sehr alle 2-3 Jahre wieder Hundekinder im Hause zu haben.

Ingrid Stiel
Taborstr.5
A-3012 Wolfsgraben
e-mail: Stiel@aon.at
Mobil: 0664/4709613